Mehr Entspannung durch optimierte Raumakustik – Teil 2

15 Jul: Mehr Entspannung durch optimierte Raumakustik – Teil 2

Tipps für eine schnelle Verbesserung der Raumakustik

• Achten Sie in großen Räumen darauf, dass sich keine glatten Wandflächen offen gegenüberstehen. Planen Sie Raumteiler wie Regale, Wandmöbel oder ähnliches als Unterbrechung für den Schallweg.

• Dekorative Bilder hinter Glasscheiben haben weniger Schalldämmende Eigenschaften, als Bilder ohne Glasscheibe.

• Strukturierte Dekorelemente, beispielsweise Reliefplatten mit unregelmäßigen Oberflächen, vermindern die Schallreflexion und damit die Ausbreitung von Schall im Raum.

• Unterseiten von glatten Tischplatten sind häufig eine gute Reflexionsfläche. Durch die Anbringung von schallabsorbierenden Platten lässt sich die Raumakustik häufig schnell verbessern.

• Alte Möbelstücke haben häufig „ihren Glanz“ verloren. Ein einfaches Nachrüsten mit akustisch wirksamen Werkstoffen verleiht nicht nur eine neue Optik, sondern verbessert auch die Raumakustik

Raumakustik geschlossener Raum versus Freifeld

Raumakustik untersucht die Auswirkungen der baulichen Gegebenheiten eines Raums auf die in ihm stattfindenden Schallereignisse. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sind besonders für die Lärmbekämpfung wichtig. Darüber hinaus muss Raumakustik die Eigenschaften des menschlichen Gehörs, die Besonderheiten der Sprachwahrnehmung, subjektive Hörgewohnheiten und auch die Musikästhetik mit berücksichtigen.

Schall:
Grundsätzlich breitet sich Schall in einem schallleitendem Medium, wird er nicht durch äußere Einflüsse beeinträchtigt, in alle Raumrichtungen gleich aus. Deutliche Unterschiede gibt es jedoch in der Betrachtung der Ausbreitung von Schall in Räumen oder im Freifeld.

Schall im Raum:
Der Schall in einem geschlossenen Raum hat bei seinem Eintreffen am Hör- oder Messort bereits mehrere Schallreflexionen erfahren. Genau hier finden sich die Ansätze für die Raumakustik, die beispielsweise durch Absorber gezielten Einfluss auf die Reflexion des Schalls nehmen kann.

Schall im Freifeld:
Unter Frei- oder Direktfeld versteht man eine Schallsituation, in der keinerlei Reflexionen auftreten. In der Natur kommen Freifeldbedingungen nur dann vor, wenn zum Beispiel bei Neuschnee Schallreflexionen am Boden keine Rolle spielen. Freifeldbedingungen können künstlich in reflexionsarmen Räumen hergestellt werden. Sie spielen in der akustischen Messtechnik und bei Hörversuchen eine wichtige Rolle, weil die Ergebnisse im Freifeld nur vom Schall der Geräuschquelle und nicht von den Reflexionen des Raums beeinflusst werden.

Bauakustik vs. Raumakustik: eine kurze Abgrenzung

Bau- und raumakustische Eigenschaften sind ein grundlegendes Merkmal für Wohnungen und Gebäude. Sie sind ausschlaggebend für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen, die jeden Tag in ihnen leben, arbeiten oder einfach zuhause sind.

Egal ob Wohnungen im Bestand oder komplett neu zu planende Bürogebäude, das Thema Akustik wird viel zu häufig überhaupt nicht oder leider erst viel zu spät berücksichtigt. Und dabei sind die Auswirkungen häufig gravierend. Belästigungen, Geräusche oder – anders gesagt – Lärm macht krank.

Entsprechend ist die Beseitigung oder, noch besser, die vorab Vermeidung von Lärm durch Akustiklösungen ein aktuelles Thema, das zusehends an Bedeutung gewinnt. Dabei gilt es zwischen zwei unterschiedlichen Fachbereichen der Akustik zu unterscheiden, der Raumakustik und der Bauakustik.

Auf den ersten Blick erscheinen Bau- und Raumakustik sehr ähnlich, umso wichtiger ist es, beide Begriffe genauer zu differenzieren.

Die Bauakustik betrachtet die akustischen Eigenschaften von Bauprodukten und dort vor allem die Übertragung von Luftschall- und Körperschall von und durch Bauteilen. Die Luftschallübertragung erfolgt in Form von Druckschwankungen in einem Raum oder darüber hinaus. Durch das Ausbreiten dieser Druckschwankungen geraten Wände und Decken in Schwingung und es werden in angrenzenden Räumen ebenfalls Luftschallwellen erzeugt. Diese nehmen wir als Geräusche wahr.

Die Körperschallübertragung hingegen findet entlang von Bauteilen statt. Wird beispielsweise mit einem Gegenstand auf den Boden oder an die Wand gehauen, so geraten diese durch die mechanische Einwirkung in Schwingung.

Durch die folgende Übertragung des Schalls wiederum werden in angrenzenden Räumen wie zuvor Luftteilchen in Bewegung gesetzt und es entstehen Luftschall-Wellen und damit auch hier Geräusche. Ziel der bauakustischen Betrachtung ist es, Wohnungen und Gebäude gegen Geräusche aus angrenzenden Räumen, die Lärmbelästigung durch gebäudetechnische Anlagen oder gegen Außenlärm zu schützen. Dies gelingt besonders gut durch massive, schwere Bauteile, die den Schall an seiner Ausbreitung hindern.

Die Raumakustik betrachtet die Geräuschentwicklung in Räumen und die Möglichkeiten diese zu beeinflussen. Den Haupteinfluss üben dabei unterschiedliche Materialien, angewandt in Form von Wandbelägen, Deckenkonstruktionen bis hin zu Werkstoffen im Möbelbau, aus. Diese Teildisziplin der Akustik gewinnt zusehends an Relevanz und wird weiter Einzug in den Arbeitsalltag der Tischler + Schreiner halten.

Normen und Richtlinien in der Raumakustik

Wichtige technische Normen und Richtlinien für die Raumakustik

DIN EN ISO 18041:

Hörsamkeit (vgl. Kapitel „Weitere wichtige Fachbegriffe“ zur Definition) in kleinen bis mittelgroßen Räumen (Mai 2004). Diese Richtlinie unterscheidet Räume der Gruppe A und B:

Räume der Gruppe A
(Hörsamkeit mittlere und größere Entfernung)
• Konferenzräume
• Gerichts-, Rats- und Festsäle
• Unterrichtsräume
• Seminarräume
• Hörsäle
• Tagungsräume
• Interaktionsräume
• Gruppenräume in Kindergärten und Kindertagesstätten
• Seniorentagesstätten
• Gemeindesäle
• Sport- und Schwimmhallen

Räume der Gruppe B
(Hörsamkeit über geringere Entfernung)
• Verkaufsräume
• Speisegaststätten, Kantinen

• Publikumsbereiche für den ÖPNV
• Fahrkarten- und Bankschalter, Call-Center

• Sprechzimmer in Anwalts- und Arztpraxen
• Bürgerbüros

• Operationssäle, Behandlungs- und
Rehabilitationsräume, Krankenzimmer
• Öffentlichkeitsbereiche
• Publikumsverkehrsflächen

• Lesesäle, Leihstellen in Bibliotheken,
Ausleihbibliotheken
• Treppenhäuser, Foyers, Ausstellungsräume
mit starkem Personenverkehr

Beispiel : DIN 18041 formuliert für Räume der
Gruppe B:

Raumart: Verkaufsräume, Werkräume, Call-Center, Lesesäle in Bibliotheken

Faktor: 0,9*

Raumart: Mehrpersonen- oder Großraumbüros mit Büromaschinen, Schalterhallen

Faktor: 0,7*

Raumart: Einzelbüros, Sprechzimmer, Pausenräume, Gaststätten, Kantinen gr. als 50 m²

Faktor: 0,5*

Raumart: Treppenhäuser, Foyers, Ausstellungsräume, Flure mit starkem Publikumsverkehr

Faktor: 0,2*

*Erforderliche 100%ige Absorptionsfläche als Vielfaches der Raumgrundfläche (bei Raumhöhe 2,5 m).

Beispiel für akustisch wirksame Anwendung in Räumen

Problemdarstellung :
In einer kürzlich erbauten Gaststätte wurden keine akustisch wirksamen Materialien verbaut. Der Eigentümer schilderte das Problem folgenderweise: Bei seinem Saal ( Größe ca. 300 m² ) beschwerten sich seine Gäste über stetig zunehmenden Lärmpegel. Folgedessen gingen dem Gastronom immer mehr Gäste verloren.

Problemanalyse :
Durch Gespräche an verschiedenen Tischen, verteilte sich der Schall an glatten Wände und Decken im gesamten Raum. Hierdurch mussten Gesprächsteilnehmer lauter sprechen, um sich zu verständigen. Dieses führte durch überlagerten Schall im Laufe einer Zeit zu einer deutlichen und stetigen Lärmzunahme.

Problembehandlung :
Ein 300 m² Saal braucht demnach 300 m² x 0,5 = 150 m² Absorptionsfläche. Die Nachhallzeit ist dabei auf 0,58 Sekunden geeicht.

Problemlösung :
Es wurden ca. 180 m² akustische Deckenpaneele nachträglich montiert. Bei der Auswahl der Paneele wurde nicht nur die akustische Lösung betrachtet. Ebenso wurde das Design mit den vorhandenen Einrichtungen abgestimmt. In diesem Fall wurden die Deckenpaneele mit einem mikro-perforiertem Nussbaumfurnier mit einer Lochung 0,5 mm (Abstand 2,5 mm) gewählt. Bei dieser Ausführung kann man ab ca. 50 cm Abstand die feine Lochung nicht mehr erkennen. Durch eine schnelle nachträgliche Montage der Paneele, ausgeführt von einem ortsansässigen Tischler, fiel der Saalbetrieb nur drei Tage aus.

Fazit :
Durch diese Maßnahme reduzierte sich die Lautstärke in seinem Saal erheblich und seine Gäste fühlten sich behaglich – der Umsatz stieg. Die Investition hatte sich für den Gastronom innerhalb von 9 Monaten amortisiert.

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