Balkon- und Terrassenbeläge: Produktpalette und Materialauswahl

18 Jul: Balkon- und Terrassenbeläge: Produktpalette und Materialauswahl

Massive Vollholzdielen aus Laub- oder Nadelhölzern

Für Terrassendielen werden eine Vielzahl von heimischen und importierten Holzarten im Handel angeboten. Die Palette wird immer größer und nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet eben auch, dass nicht nur eine Holzart für Terrassen zur Verfügung steht.

Daher ist es besonders wichtig alle Informationen zu den natürlichen Eigenschaften der verschiedenen Hölzer zu berücksichtigen und die Planung darauf abzustimmen. Bei nativen Hölzern werden auch unterschiedliche Profile sowie Stärken und Breiten angeboten. Bei stark arbeitenden Hölzern wie Massaranduba sollten möglichst nur
120 mm breite Profile verwendet werden.

Verwenden Sie für die Kundenberatung möglichst große Flächen, die auch einen optischen Eindruck einer verlegten Fläche wiedergeben. Handmuster sind dafür nicht ausreichend.

Zu den etablierten Holzarten sind in den letzten Jahren immer mehr Austauschhölzer, sogenannte Substitutionshölzer, mit zum Teil noch unbekannten Eigenschaften und Qualitäten gekommen. Geben Sie die entsprechenden Informationen zum Material bei der Beratung und zusammen mit der Auftragsbestätigung an die Kunden weiter.

Kesseldruckimprägnierte Nadelhölzer

Die meisten Nadelhölzer wie Kiefer, Douglasie und Lärche haben nur eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit und können mit einer fachgerechten und qualitativ hochwertigen Kesseldruckimprägnierung nach DIN 68 800-3 oder RAL-GZ 411 in ihrer Dauerhaftigkeit deutlich verbessert werden. Es wird durch die Kesseldruckimprägnierung nur der Splintanteil der Hölzer imprägniert und erhält dadurch eine Dauerhaftigkeitsklasse von 1-2 (Splintholz ist bei allen Hölzern nicht dauerhaft DKL 5). Der Kernholzanteil der Hölzer bleibt unverändert und an Schnittflächen zeichnet sich der imprägnierte Splintanteil (grünlich) deutlich von dem unbehandelten Kernholz ab.

Terrassendielen werden vorwiegend in kesseldruckimprägniert grün oder braun angeboten und mit dem Kurzzeichen KDI am Markt geführt.

Polymergebundene Verbundwerkstoffe –NFC/ WPC

Diese Verbundwerkstoffe bestehen aus Naturfasern und thermoplastischen Kunststoffen sowie Additiven. Die meisten Hersteller verwenden Holz (Sägemehl oder Späne) als Faserwerkstoff. Diese Produkte werden als WPC–Wood Polymer Composites bezeichnet. Weitere Produkte werden aus Bambus-, Reis- oder Zellulosefasern
hergestellt. Im Handel wird allgemein bei allen Produkten von WPC gesprochen und kein Unterschied bei den verwendeten Fasern gemacht.

Die Materialeigenschaften der NFC/WPC Terrassendielen hängen von den jeweiligen Ausgangsstoffen, beigemischten Kunststoffen und Additiven ab. Die Rezepturen der Hersteller sowie die technischen Prozesse sind je nach Produkt sehr unterschiedlich und nicht genormt.

WPC = Wood Polymer Composites / Holz-Polymer-Werkstoffe

BPC = Bambus Polymer Composites / Bambus-Polymer-Werkstoffe

RHPC = Rice Husk Polymer Composites / Reis-Polymer-Werkstoffe

PPC = Paper Polymer Composites / Papier-Polymer-Werkstoffe

Seit dem 04.12.2007 gibt es ein Gütesiegel/Qualitätszeichen für Holz-Polymer-Werkstoffe von der „Qualitätsgemeinschaft Holzwerkstoffe e.V.“. Diese Qualitätsgemeinschaft hat zusammen mit dem „Institut für Holztechnologie Dresden“ (ihd) einen Leitfaden für verlegte WPC-Ware (Deckings) herausgegeben (zu finden unter www.qg-holzwerkstoffe.de).

WPC Profile dürfen nur mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung für tragende Konstruktionen verwendet werden.

Thermoholz – TMT (Thermally Modified Timber)

Es gibt unterschiedliche Verfahren für die Herstellung von Thermoholz. Bei den verschiedenen Verfahren wird Holz unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen auf Temperaturen von 160 bis 215 °C erwärmt. Wasser, Stickstoff oder Pflanzenöle werden als Medium für die Wärmeübertragung verwendet. Die Zellen und die physikalischen Eigenschaften werden bei der Thermobehandlung dauerhaft verändert. Folgende Verfahren werden für die Behandlung zur Zeit angewendet:

1. Wasserdampf-Hitze
2. Druck-Hitze
3. Öl-Hitze

Bei allen Verfahren wird Wasser und in verschiedenen Umfängen flüchtige Inhaltsstoffe aus dem Holz getrieben und die Holzstruktur wesentlich verändert. Das Holz wird durch die Behandlung dauerhafter und das Quell- und Schwindverhalten deutlich reduziert. Das Holz wird dunkler und erhält den charakteristischen Geruch, der mit der Zeit nachlässt. Thermoholz vergraut nach relativ kurzer Zeit und darf nicht für tragende Konstruktionen verwendet werden. Es sollte beachtet werden, dass bei Thermoholz nicht mit normalen Holzfeuchtemessgeräten die Holzfeuchte geprüft werden kann. Je nach Hersteller liegt die Holzfeuchte bei 6-8% und sollte bei der Montage berücksichtigt werden. Daher kommt es meistens nur zum Quellen und weniger zum Schwinden der Terrassendielen. Vorteil ist ein gleichmäßiges Fugenbild.

Bei der Verlegung von Thermoholz-Terrassendielen muss meistens ein größerer Fugenabstand als bei nativen Hölzern berücksichtigt werden. Die genauen Vorgaben der Hersteller zu den Fugenabständen und zur Verwendbarkeit von Befestigungssystemen müssen beachtet werden. Bei Thermoholz sind teilweise bestimmte Regelwerke wie z. B. die Fachregeln 02 BDZ nicht gültig oder nur teilweise anwendbar. Es sollte mit allen Beteiligten die genaue Ausführung und die Gültigkeit von Regelwerken abgestimmt werden. Für Thermoholz gibt es eine Vornorm DIN CEN/TS 15679 und Merkblätter unter www.ihd-dresden.de.

Keilgezinkte Terrassendielen

Bei keilgezinkten Terrassendielen werden störende Holzmerkmale wie z. B. große Äste, Drehwuchs oder Harzgallen ausgekappt und die fast astreinen Holzstücke zusammengeleimt. Insbesondere bei dauerhaften einheimischen Hölzern wie Robinie, Edelkastanie und Eiche können somit astarme Terrassendielen hergestellt werden. In der Länge keilgezinkte Dielen dürfen nicht für tragende Konstruktionen verwendet werden.

Terrassen, die mit keilgezinkten Dielen hergestellt werden, haben eine charakteristische und durchaus interessante Patchwork-Optik, die auch bei der späteren Vergrauung erhalten bleibt. Es sollte bei der Kundenberatung nicht mit kleinen Handmustern beraten werden, sondern mit Musterflächen wie z. B. 3 Bretter in der Breite und ca. 100 cm lang.

Gute Erfahrungen wurden mit keilgezinkten Materialien im überdachten Außenbereich gemacht. Bei voll bewitterten Terrassen kann es zu einer kürzeren Nutzungsdauer kommen. Es werden auch Terrassendielen angeboten, die sowohl in der Länge keilgezinkt und verleimt sind als auch zusätzlich in der Breite oder Stärke verleimt wurden. Bei diesen Produkten sollten die Informationen und die empfohlenen Anwendungsgebiete der Hersteller beachtet werden.

Bambus Terrassendielen

Bambus ist kein Holz sondern ein Gras. Bambus als Rohstoff wird als schnell nachwachsendes Gras in den unterschiedlichsten Bereichen als Nahrungsmittel oder auch für die Heilkunde, in der Textilbranche und als Konstruktionswerkstoff eingesetzt. Im Außenbereich wird Bambus zum Beispiel in den Bereichen Sichtschutz und Terrassendielen genutzt. Bambusterrassendielen zählen zu den verklebten Verbundwerkstoffen und dürfen nicht für tragende Konstruktionen verwendet werden.

Der Halm wird mechanisch und thermisch in mehreren Arbeitsschritten aufbereitet. Den aufbereiteten Bambusfasern (Strants) werden ca. 8-11% Kleber und Additive zugegeben. Im Anschluss wird das Gemisch unter hohem Druck zu Platten gepresst. Diese Platten sind unterschiedlich lang und stark und werden nach dem Pressen zu Terrassendielen, Bohlen oder Unterkonstruktionen profiliert. Es werden auch stabverleimte Terrassendielen angeboten, die ein geringeres Gewicht haben. Dabei werden Bambusstreifen aufeinander geleimt und im Anschluss zu Terrassendielen gehobelt. Diese stabverleimten Produkte sind nicht zusätzlich behandelt und deutlich anfälliger bzgl. Pilzbildung und der Einsatz im bewitterten Bereichen einer Terrasse sollte vom Hersteller freigeben sein. Je nach Hersteller werden unterschiedliche Profile, Stärken und Farben angeboten. Die Verfahren und die Eigenschaften sind sehr unterschiedlich.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Holz Balkon- und Terrassenbeläge.

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