Balkon- und Terrassenbeläge: Produktpalette und Materialauswahl – Teil 2

18 Jul: Balkon- und Terrassenbeläge: Produktpalette und Materialauswahl – Teil 2

Chemisch modifizierte Hölzer – CMT (Chemically Modified Timber)

Es gibt verschiedene Verfahren, die bei der Herstellung von chemisch modifizierten Hölzern zur Anwendung kommen.

• Modifizierung mit Furfurylalkohol – Kebony®
• Modifizierung mit Essigsäureanhydrid – Accoya®
• Hydrophobierung mit Harzen – NATWOOD®

Als chemische Modifizierung von Holz wird die Vergütung von Holz bezeichnet, bei der wesentliche Eigenschaften dauerhaft verändert werden. Durch die Modifizierung werden
die Zellwände, d.h. die Holzsubstanz selbst, chemisch und physikalisch verändert und dadurch die Dauerhaftigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen und das Quell-/
Schwindverhalten verbessert. Die Schutzwirkung gegenüber Schadorganismen ergibt sich bei der Modifizierung im Wesentlichen durch die geringere Feuchtigkeitsaufnahme und durch eine veränderte chemische Zusammensetzung der Zellwände. Es werden keine zusätzlichen bioziden Wirkstoffe verwendet.

Kebony clear wurde im Naturbad eingesetzt.

Es werden für die chemische Modifizierung vorwiegend einheimische Holzarten wie z. B. Kiefer verwendet. Weiterhin wird vorwiegend für fast astreine Produkte die schnell wachsende Pinus Radiata z. B. aus Neuseeland verwendet. Diese Hölzer kommen vorwiegend aus nachhaltiger Forstwirtschaft und sind FSC® oder PEFC® zertifiziert.

Oftmals haben die Hölzer durch die chemische Modifizierung eine geringere Festigkeit und dürfen nur mit einer allgemein bauaufsichtlichen Zulassung abZ oder einer europäisch
technischen Zulassung ETA für tragende Konstruktionen eingesetzt werden. Bisher hat nur das Produkt Kebony®clear 22 x 142 diese Zulassung und kann für tragende Konstruktion verwendet werden.

Profilierungen bei Massivholzdielen

Terrassendielen werden am Markt mit unterschiedlichen Oberflächen angeboten. Die Profilierung der Dielen dient vorwiegend der optischen Gestaltung einer Terrasse.
Glatte, genutete und geriffelte Oberflächen stehen zur Auswahl. Bei einigen Holzarten kann es durch die genutete Profilierung zu einer Kerbspannung und einer stärkeren Rissbildung kommen.

Von den Herstellern wird meistens in den Katalogen zu jedem Profil die Ausführung der Oberseite und der Unterseite angegeben. Bei der Planung, Bestellung und bei der Kundenberatung sollten die Angaben berücksichtigt werden. Auf der Unterseite der Dielen können produktions- und transportbedingte Verschmutzungen und Beschädigungen vorkommen. Wenn die Unterseite als Oberseite gewünscht wird, sollte mehr Material bestellt und entsprechend aussortiert werden.

Auf der Unterseite können transport- und lagerbedingte Verschmutzungen vorhanden sein.
Ringschäle und Schifferrisse können auf der rechten Seite der Dielen entstehen.

Durch die wechselseitige Profilierung von Terrassendielen kann in der Regel bei der Verlegung nicht auf die linke oder rechte Brettseite der Dielen geachtet werden. Es gibt unterschiedliche Meinungen von Fachleuten dazu. Für die rechte Seite nach oben spricht die geringere Rissbildung und, dass durch die Wölbung der Dielen kein Wasser stehen bleiben kann. Die linke Seite wird jedoch gerne nach oben gelegt, da keine Gefahr einer Ringschäle und Bildung von Schilferrissen besteht. Gerade im kernnahen Bereich kann das bei Nadelhölzern wie z. B. Lärche zu Problemen führen und den Austausch von einzelnen Dielen erforderlich machen, da eine Verletzungs- und Stolpergefahr entstehen kann.

Natürliche Dauerhaftigkeit und Gebrauchsdauer

Bei der Auswahl von Hölzern für Terrassen- und Balkonkonstruktionen sollte die „natürliche Dauerhaftigkeit“ der Holzart beachtet werden. Die natürliche Dauerhaftigkeit ist die dem Holz eigene Widerstandsfähigkeit gegen einen Angriff von holzzerstörenden Organismen ohne zusätzliche Maßnahmen (Klassifikation in Dauerhaftigkeitsklassen lt. DIN EN 350-2). Zur Angabe der natürlichen Dauerhaftigkeit wird ein 5-Klassen-System verwendet. (1=sehr dauerhaft / 2=dauerhaft / 3=mäßig dauerhaft / 4=wenig dauerhaft / 5=nicht dauerhaft).

Die Angaben der Dauerhaftigkeit der einzelnen Holzart bezieht sich ausschließlich auf das Kernholz. Das Splintholz aller Holzarten ist in Klasse 5=nicht dauerhaft eingestuft. Es wird lt. DIN 68800 ein Splintanteil von 5% toleriert.

Die Rohdichte der verschiedenen Hölzer ist kein Indiz für die Dauerhaftigkeit. Entscheidend für die Dauerhaftigkeit sind die charakteristischen Holzinhaltstoffe und das Wuchsgebiet. In der Regel ist langsam gewachsenes Holz dauerhafter als schnell gewachsenes Holz.

Fugen sollten von Laub, Dreck und Unkraut befreit und dauerhaft sauber gehalten werden.

Die Gebrauchsdauer für Terrassen kann nicht aus der Dauerhaftigkeitsklasse abgeleitet werden, da diese von vielen Faktoren wie dem Standort, den Bodenverhältnissen und dem Klima abhängig ist.

Bei der Verwendung von Hölzern für tragende Konstruktionen muss die Dauerhaftigkeit der eingesetzten Holzarten beachtet werden und zusätzlich auch die Verwendbarkeit nach der DIN EN 1995. Es gibt verschiedene Hölzer mit einer Dauerhaftigkeitsklasse 1-2, die aber nicht bauaufsichtlich zugelassen sind.

Bei waagerecht verlegten Terrassenbelägen im bewitterten Außenbereich ist mit Wasseranreicherungen und erhöhter Holzfeuchte zu rechnen. Dadurch bedingt ist mit einem Befall von holzzerstörenden Pilzen zu rechnen und der Belag ist der Gebrauchsklasse 3.2 nach der DIN 68800-1 zuzuordnen.

Die Auswahl der Holzart sollte vom Planer anhand der zu erwarteten Nutzungsdauer und Wertigkeit einer Terrassenanlage getroffen werden. Die Nutzungsdauer ist von den klimatischen Gegebenheiten und der Wetterseite abhängig. Schattige und feuchte Standorte erfordern eine höhere Dauerhaftigkeit.

Ansammlungen von Laub, Schmutz und Erde können zu einem Befall von Moderfäulepilzen führen und sind nur durch regelmäßige Wartung und Pflege zu vermeiden. Das Holz ist dann der Gebrauchsklasse 4 zuzuordnen.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Holz Balkon- und Terrassenbeläge.

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