Mehr Entspannung durch optimierte Raumakustik

18 Aug: Mehr Entspannung durch optimierte Raumakustik

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Diesen Satz hat sicher jeder schon häufig gehört oder selber in persönlichen Gesprächen verwendet. Und ja – diese Aussage stimmt. Der Mensch ist gewöhnt sich im Laufe seines Lebens
an tausende von Dingen, die ihm irgendwann alle selbstverständlich erscheinen, anzupassen. Diese Rituale und Alltäglichkeiten sind für ein geregeltes Leben auch unumgänglich, dennoch sollte man sich die Frage stellen – lässt sich der Alltag nicht optimieren? Warum nehme ich das Gewohnte einfach so hin? Oder was kann ich dafür tun, meinen gewohnten Alltag angenehmer zu gestalten?

Wie lebt der Durchschnittsbürger?

Betrachten wir einmal einen „gewöhnlichen Arbeitstag eines Durchschnittsbürgers“: Er schläft ca. 7 Stunden die Nacht, geht ins Bad, frühstückt eventuell noch ein wenig und macht sich dann auf den Weg zu seiner Arbeit. Hier verbringt er über 1/3 seiner täglichen Lebenszeit begleitet von der Geräuschkulisse, die seine Kollegen im Büro verursachen, dem ständigen Brummen des Kopierers auf dem Gang, dem Rattern von Maschinen oder auch einfach nur dem ganz normalen Lärmpegel, den Gespräche zwischen Verkäufer und Kunden verursachen, Chef und Mitarbeiter oder ein einfaches Telefonat verursachen. Aber das macht ja nichts, der Durchschnittsbürger ist den Lärm ja gewohnt. Abends kommt er in der Regel noch mit Arbeitsthemen im Hinterkopf und einer leichten inneren Unruhe nach Hause und lässt den Tag erst einmal sacken. Er bzw. natürlich auch sie saugt Staub, bereitet das Essen vor und irgendwann gegen 19:30 Uhr beginnt die Phase der Erholung und „Ruhe“. Natürlich auch dies alles die ganze Zeit begleitet durch ständige Nebengeräusche. Erst gegen 23:00 Uhr fährt er seinen Körper herunter und gönnt sich seine 7 Stunden Schlaf….

Ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das wird er auch immer bleiben. Aber Gewohnheiten lassen sich ändern und Rahmenbedingungen optimieren. Der uns stetig begleitende Stressfaktor Lärm und die uns dauerhaft umgebenden und unser Leben bestimmende Geräusche lassen sich zumindest minimieren und damit die Lebensqualität in unserem Alltag verbessern. Der Schlüssel hierzu ist die Raumakustik, die zunehmend in allen Lebensbereichen, egal ob geschäftlich oder privat Einzug hält. Was aber ist Raumakustik und
wie kann sie meine Gewohnheiten und meinen Alltag verändern?

Raumakustik – kein Wunder, sondern einfache Physik

Raumakustik ist ein stetig wachsendes Thema. In Räumen des Alltags, wie Sporthallen, Großraumund Konferenzbüros, Korridoren oder Einkaufszentren soll Schall minimiert werden. Dagegen sollte in Räumen wie Konzerthallen, Klassenzimmern und Hörsälen, Kirchen oder Konzertsälen, der Schall positiv beeinflusst werden, sodass eine Schallquelle alle Zuhörer optimal erreicht. Raumakustik ist die positive Gestaltung der Wahrnehmungsqualität von Schallereignissen, die sich durch räumliche Änderungen und Anpassungen verändern lassen. Der Schall hingegen kann positiv wie auch negativ wahrgenommen werden und ist die Messgröße, die wir mittels gezielter Raumakustik beeinflussen wollen. Schall kann Wohlbefinden bei Musik oder einer Vorlesung erzeugen, ebenso Unbehagen wie Lärm oder Stimmengewirr verursachen. Überspitzt gesagt „negativ empfundener Schall macht krank und Raumakustik versucht diese Erkrankung zu verhindern“.

Um unangenehmen Schall zu verringern, werden viele technische Mittel wie Lärmschutzwände an Autobahnen, geräuschmindernde Fahrzeuge oder Akustikelemente in Gebäuden, wo viele Menschen aufeinandertreffen, eingesetzt. Durch hochwertige Materialien und ständig weiterentwickelte physikalische Eigenschaften von Werkstoffen entwickeln sich immer neue Möglichkeiten.

Durch den heutzutage puristischen Wohnstil, schlichte Wohnkonzepte, klare Formen und wenig Dekoration im privaten Wohnbereich wird der Bedarf an akustischen Lösungen auch hier ständig höher. Diese werden oftmals, anders als im Objektbereich, durch designorientierte Produkte ermöglicht. Jeder Raum hat individuelle Eigenschaften, die individuelle Lösungen erfordern und speziell auf die Raumsituation zugeschnitten werden müssen.

Raumakustik – Mehrwert durch das Handwerk

Diese Problemstellungen und Kundenansprüche aber auch Lösungsansätze gehören zunehmend zum Alltagsgeschäft der Tischler + Schreiner. Er ist nicht nur der Verarbeiter von unterschiedlichsten Produkten am Boden, der Wand oder der Decke, sondern der Tischler + Schreiner ist der Problemlöser, dem die Kunden vertrauen. Er plant, designt und ermöglicht speziell auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene Sonderlösungen in Form, Farbe und physikalischen Eigenschaften. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es unabdingbar, sich mit den Grundlagen von Schall und die ihn beeinflussenden Faktoren zu beschäftigen. Einige raumakustische Grundlagen fassen wir hier für Sie zusammen:

Nachhallzeit

Die Grundlage der Bewertung einer raumakustischen Situation ist die Nachhallzeit. Einfach beschrieben, gibt die Nachhallzeit die Dauer der Zeit an, die ein Schallereignis benötigt, um ausgeklungen zu sein. Dies kann zwischen Zehntelsekunden und mehreren Sekunden je nach Situation variieren. Die Nachhallzeit wird durch verschiedene Faktoren in Räumen beeinflusst, wie zum Beispiel:

• Verkleidungen von Wand und Decke (z.B. negativ durch harte und glatte Oberflächen)
• Die Einrichtung von Möbeln
• Weitere Gegenstände der Einrichtung wie Bodenbeläge, Gardinen oder auch Accessoires

Durch diese objektiv messbare Größe ist es möglich, Räume in ihrer raumakustischen Qualität zu bewerten. Diese Bewertung wiederum ist die Grundlage für die durchzuführenden Maßnahmen. Eine Schallquelle im geschlossenem Raum führt zu einer Nachhallzeit, wodurch es zu Verzerrungen oder Unverständlichkeit kommen kann. Gelingt es die Reflexionen zu verringern, sinkt die Lautstärke im Raum und die Verständlichkeit wird verbessert.

Schalldruck

Schalldruck bezeichnet Schwankungen des Luftdrucks und damit einhergehend die Lautstärke eines Ereignisses. Je lauter dabei ein Schallereignis, beispielsweise Sprache, Musik oder ein startendes Flugzeug, desto größer ist folglich die Schwankung des Luftdrucks. Kommt zu einer einzelnen Lärmquelle eine weitere, gleichartige und gleichlaute hinzu, kommt es folglich auch zu einer Änderung des Luft- bzw. Schalldrucks. Schallpegel können nicht wie andere Größen arithmetisch addiert werden. Es müssen vielmehr die entsprechenden Energien bzw. Schallintensitäten addiert werden. So führt z.B. eine Verdopplung der Zahl gleicher Schallquellen oder eine Verdopplung der Verkehrsmengen eines Verkehrsweges zu einer Pegelerhöhung um 3 dB (A). Der Mensch empfindet die Zunahme oder Abnahme eines Geräusches um 10 dB (A) in etwa als Verdoppelung oder Halbierung des Lautstärkeeindrucks. Nimmt beispielsweise ein Geräusch von 50 auf 80 dB (A) zu, so verachtfacht sich der Lautstärkeeindruck.

Schallabsorption und –reflexion

Man spricht von Schallabsorption, wenn eine Schallwelle auf einen weichen, verformbaren oder porösen Körper trifft und ganz oder teilweise absorbiert wird. Dabei wird Schallenergie in Wärme umgewandelt. Wenn eine Schallwelle auf einen harten Gegenstand trifft und dadurch zurückgeworfen wird, handelt es sich um eine Schallreflexion.

Schallabsorption

Die Lösung der schlechten Nachhallzeit kann in Räumen am einfachsten durch schallabsorbierende Wand- und Deckenverkleidungen gelöst werden. Wand und Decke bieten die größten beeinflussbaren Flächen eines Raumes. Dabei gilt, je größer bzw. je mehr beeinflussbare Fläche zur Verfügung steht, desto besser ist in der Regel das Ergebnis. Einen weiteren Einfluss auf die Schallabsorption hat die Wahl des eingesetzten Materials. So können unterschiedlich bearbeitete Wandoder Deckenverkleidungen einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis der Raumakustik haben.

Die Ausführungen der verschiedenen Akustikpaneele unterscheiden sich in Regel nach der geöffneten Fläche (akustische Wirkung) und dem Design. Die geöffneten Flächen eines Paneels richten sich nach dem gebohrten oder genuteten Raster im Verhältnis zur Gesamtfläche. Beim Design gibt es Unterschiede von kaum sichtbarer bis sichtbarer Lochfläche und von endlos verlegten Profilpaneelen oder mit Abstand montierten Flächenpaneelen. Dies ist individuell auf Kundenwunsch ausführbar. Beim Design ist ebenso Echtholzfurnier oder Unifarben wählbar.

Die Optimierung der Raumakustik wird immer wichtiger!

Natürlich ist das Thema Raumakustik nicht neu und es gibt bereits eine Vielzahl an Produkten. Dennoch gewinnt es zusehends an Bedeutung. Es erfordert daher Fachwissen bei Verarbeiter und Handel. Daher sollten vor der Verwendung von Akustiklösungen im Zweifelsfall immer auch fachkundige Akustikbüros einbezogen werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Diese können auf Basis einer Schallmessung schnell definieren, welche Flächen und welche Werkstoffe am Ende das bestmögliche Ergebnis erzielen.

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