Fassade: Produktpalette und Materialauswahl

24 Jul: Fassade: Produktpalette und Materialauswahl

Massive Profile aus Nadel- und Laubholz, gesägt oder gehobelt

Für Fassaden werden sowohl gesägte als auch gehobelte Profile angeboten. Mit unterschiedlichen Oberflächen wie glatt, gebürstet, mit Ziernuten oder farbig behandelt, stehen viele zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Objekte und Anforderungen der Kunden zur Verfügung.

Geschlossene Verkleidungen können mit Brettern z. B. als überlappende Boden-Deckel-Schalung oder als Stülpschalung sowie als Profilbrettschalung mit Nut und Feder ausgeführt werden. Die Mindestdicke für Fassadenprofile aus Vollholz beträgt 18 mm.

Bei der Wahl der Brettbreite bei einer Boden-Deckelschalung sollte immer auf eine Überlappung von mindestens 20 mm geachtet werden. Mit einer geringeren Breite der Bretter können spätere Folgen durch Quellen und Schwinden minimiert werden.

Bei Profilbrettern mit Nut und Feder sollte bei 20 mm Stärke maximal eine Breite von 140 mm gewählt werden. Auch die Federlänge ist von der Brettbreite abhängig und sollte 7% der Breite entsprechen (FR01).

Für offene Verkleidungen bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden kommen vorwiegend rhomboide Profile zum Einsatz. Je nach gewählter Ausführung der Profile wird die entsprechende Befestigungstechnik ausgewählt.

Alle Profile einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade aus Vollholz müssen entsprechende CE-Kennzeichnungen am Produkt oder auf den Begleitpapieren haben. Zudem müssen die Vorgaben der Bauproduktverordnung eingehalten werden.

Es sollte schon bei der Ausschreibung und Auftragsannahme geprüft werden, welche Normen und Regelwerke beachtet werden müssen; eine Prüfung und Dokumentation sollte ebenfalls erfolgen.

Keilgezinkte Profile

Bei keilgezinkten Fassadenprofilen werden störende Holzmerkmale wie z. B. große Äste, Drehwuchs oder Harzgallen ausgekappt und die fast astreinen Holzstücke danach zusammen geleimt. Insbesondere bei einheimischen Hölzern wie z. B. Robinie, Edelkastanie und Weißtanne können somit astarme Profile hergestellt werden. Durch die Keilzinkung können besonders lange Längen hergestellt werden damit nur wenige Längenstöße erforderlich sind.

Keilgezinkte Fassadenprofile haben eine charakteristische und durchaus interessante Patchwork-Optik, die auch bei der späteren Vergrauung erhalten bleibt. Es sollte bei der Kundenberatung nicht mit kleinen Handmustern, sondern mit Musterflächen oder geeigneten Objektfotos beraten werden. Bei farbig vorbehandelten Profilen, insbesondere bei vorvergrauten Profilen, ist der Wechsel in der Struktur und Maserung der Holzstücke deutlich zu erkennen.

Es werden auch Profile für Fassaden angeboten, die sowohl in der Länge keilgezinkt sind als auch zusätzlich in der Breite oder Stärke verleimt wurden. Bei diesen Produkten sollten die Informationen und die empfohlenen Anwendungsgebiete der Hersteller beachtet werden.

HPL-Platten

HPL-Kompaktplatten sind dekorative Hochdruck-Schichtpressstoffplatten und werden nach DIN EN 438 hergestellt. Die Platten bestehen aus Schichten faseriger Zellulose (normalerweise Papier), das mit duroplastischen Kunstharzen imprägniert wird und unter Wärme und Hochdruck aushärtet. Bei dem Herstellprozess, gleichzeitige Anwendung von Wärme (> 120°C) und hohem spezifischen Druck (> 5 MPa), wird das Harz flüssig und verbindet sich beim anschließendem Aushärten mit den Papieren. Die Rohdichte von HPL liegt bei > 1400 kg/m³.

Je nach Hersteller liegt der Papieranteil (Faseranteil) bei ca. 60-70% und der Harzanteil bei ca. 30-40%. Für die Kernschichten wird Phenol-Formaldehyd-Harz und für die Deckschichten Melamin-Formaldehyd-Harz verwendet. Beide Harze gehören zu den Duroplasten. Sie sind irreversibel chemisch vernetzt und bilden ein ausgehärtetes, stabiles Material, dessen Eigenschaften von denen der Ausgangsrohstoffe grundlegend verschieden sind.

Der Kern der HPL Platten ist normalerweise immer dunkel eingefärbt und es wird bei vielen Farben ein zusätzlicher Witterungsschutz aufgebracht (UV-Schutzfolie).

Weitere Informationen zu HPL finden Sie auch unter www.pro-hpl.de und bei den Herstellern. Bitte prüfen Sie immer ob eine bauaufsichtliche Zulassung für die Verwendung bei Fassaden vorliegt.

Faserzementplatten/ Paneele für Fassaden

Das Material besteht aus nichtbrennbarem, hochverdichtetem Zement, der zusätzlich mit Fasern armiert wird. Die Herstellung erfolgt nach DIN EN 12467. Je nach Hersteller und Produkt werden zusätzliche Materialien beigemischt.

Diese Zusätze dienen zur Optimierung der Produkte und sind z. B. Quarz, Sand oder Kalksteinmehl. Die Armierung erfolgt durch synthetische oder organische Fasern. Durch diese Armierung wird die Biege-, Zug- und Bruchfestigkeit des Materials verbessert. Neben den Armierungsfasern gibt es auch noch Prozessfasern bzw. Filterfasern die während der Herstellung benötigt werden. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Zellstoff-Fasern.

Je nach Endprodukt wird das Material in Autoklaven mit Dampfdruck hergestellt oder nur mit der Umgebungstemperatur zum Erhärten gebracht. Anschließend können noch unterschiedliche Beschichtungen für eine gleichbleibende Optik und UV-Stabilität aufgebracht werden.

Profile mit Spanholzkern

Fassadenprofile mit Spanholzkern werden durch die Vermischung von unbehandeltem Faserholz und bauaufsichtlich zugelassenen duroplastischen Kunststoffen hergestellt. Es wird ein zugelassenes Holzschutzmittel auf Borbasis zugegeben. Zusätzlich wird melaminharzimprägniertes Papier bei der Herstellung aufgepresst und anschließend in dem gewünschtem Farbton beschichtet.

Die Profile fallen unter „Holzwerkstoffe“ und sind damit auch in den Fachregeln 01 BDZ erwähnt. Zusätzlich sollten die Vorschriften und Montageanleitungen der Hersteller berücksichtigt werden. Einige Besonderheiten des Materials, wie Längenausdehnung und die Schnittkantenbehandlung, sind bei der Ausführung zu beachten.

Die Längenausdehnung beträgt ca. 1-3 mm / lfm, abhängig von Feuchtigkeit und Temperatur. Bei Profilstößen sind Dehnfugen von 6 mm, bei Profilanschlüssen 10 mm einzuhalten. Schnittkanten müssen mit einer Kantenversiegelung porenfrei versiegelt werden. Bei ausreichend abdeckten Schnittkanten und Dachüberständen kann darauf verzichtet werden.

Chemisch modifizierte Hölzer – CMT (Chemically Modified Timber)

Es gibt verschiedene Verfahren, die bei der Herstellung von chemisch modifizierten Hölzern zur Anwendung kommen.
• Modifizierung mit Harzen – NATWOOD®
• Modifizierung mit Furfurylalkohol – Kebony®
• Modifizierung mit Siliziumverbindungen – OrganoWood®

Bei allen Verfahren wird mit einer chemischen Behandlung die Dauerhaftigkeit gegenüber holzzerstörenden Pilzen und das Quell- und Schwindverhalten verbessert.

Je nach Verfahren werden Holzeigenschaften verändert und positiv beeinflusst. Es werden vorwiegend Holzarten verwendet, die im unbehandelten Zustand nicht für den bewitterten Außenbereich geeignet sind. (z. B. Radiata pine). Bei chemisch modifizierten Hölzern muss auf eine entsprechende Statik bei tragenden Bauteilen wie bei der Unterkonstruktion, bzw. der Grund- und Traglattung geachtet werden.

Übersicht über die verschiedenen Technologien. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte direkt an die Hersteller.

NATWOOD© ist ein durch thermische und stoffliche Vergütung veredeltes Holz (u.a. Esche, Tanne, Kiefer). Durch Druck und Erwärmung werden natürliche Baumharze in die Holzzellen und Zellzwischenwände gepresst. Das Harz erstarrt dann in einem fein abgestimmten Abkühlungsprozess.

Kebony® Technologie In Norwegen entwickelt, ist die Kebony® Technologie ein umweltfreundliches, patentiertes Verfahren, welches die Eigenschaften von nachhaltigen Weichhölzern z.B. nordische Kiefer – Kebony character oder Pinus Radiata – Kebony clear durch eine biologische Flüssigkeit aufwertet. Durch den Prozess wird die Zellstruktur des Holzes dauerhaft verändert, wodurch die Hölzer dauerhafter und formstabiler werden sowie die dunkelbraune Farbe erhalten.

Die Kebony® Technologie modifiziert Holz durch Bildung stabiler Furanpolymere, die sich in den Zellwänden des Holzes einlagern. Dadurch erhöht sich die Dimensionsstabilität sowie die Haltbarkeit und Härte des Holzes. Der Prozess basiert auf Imprägnierung mit Furfurylalkohol, einer Flüssigkeit, die aus landwirtschaftlichen Bioprodukten erzeugt wird. Kebony verwendet ein pflanzliches Nebenprodukt, um einem anderen pflanzlichen Produkt – nämlich Holz – mehr Stärke und Haltbarkeit zu verleihen.

OrganoWood® – Hydrophobierung Siliziumverbindungen In diesem patentierten Verfahren wird Silizium (in Form von Rohglas) unter Druck untrennbar mit den Holzfasern einer langsam gewachsenen nordschwedischen Kiefer verbunden. Es entsteht dadurch eine physikalische Barriere, die verhindert, dass Pilze oder Mikroorganismen das Holz zerstören. Die Behandlung ist farblos und unterscheidet sich nicht von dem Rohmaterial.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Fassade.

 

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