Fassade: Konstruktion und Ausführung

21 Jul: Fassade: Konstruktion und Ausführung

Planung und Ausschreibung

Durch eine vorausschauende Planung können Bauschäden und Fehler vermieden werden. Architekten geben dem Haus über die Gestaltung der Fassade durch Materialmix und Farben ein attraktives Aussehen. Daher ist es besonders wichtig die unterschiedlichen Eigenschaften der verwendeten Materialien und die Konstruktionsprinzipien zu kennen.

Nicht alle Gestaltungsvorschläge sind fachlich richtig oder einfach umsetzbar. Daher sollte vom Ausführenden immer beachtet werden, was Stand der Technik ist. Der Handel sollte versuchen den Handwerker mit Informationen der Hersteller und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zu unterstützen.

Örtliche Begebenheiten sowie behördliche Vorschriften müssen von allen Beteiligten berücksichtigt werden. Für hinterlüftete Fassaden ist vom Fachplaner eine prüffähige Statik zu erstellen. Somit ist es wichtig die Windlasten und die Geländehöhe zu berücksichtigen (Windlastzonen unter www.dibt.de / Bauregellisten ). In den Landesbauordnungen LBO der einzelnen Bundesländer wird explizit auf den Standsicherheitsnachweis eingegangen (z. B. §15 LBO NRW).

Bei der Planung sollte besondere Aufmerksamkeit auf Dachüberstände, Spritzwasserabstand zu Bodenflächen und zu anderen Bauteilen wie. z. B. Gauben-Verkleidungen zu Dachflächen, gelegt werden.

Bei Ausschreibungen sollte frühzeitig mit dem Kunden besprochen werden, welche Holzart oder welches Material gewünscht wird. Oftmals können nicht alle Dimensionen beschafft werden. Dann muss die Planung nochmals überarbeitet werden.

Oft werden bei Großprojekten vom Auftraggeber Festpreisverträge gefordert, ohne dass detaillierte Pläne bei der Auftragsvergabe vorliegen. Es ist durchaus gängige Praxis, dass die sogenannte Ausführungsplanung gar nicht mehr vom Auftraggeber selber erstellt wird, sondern diese Aufgabe in das Pflichtenheft des Auftragnehmers geschrieben wird. Die Kalkulation, die Ausschreibung und das Angebot erfolgt in diesen Fällen auf Grundlage eines Entwurfs oder einer groben Vorplanung. Die Detailzeichnungen und die Art der Ausführung werden erst nach der Auftragsvergabe und vor allem nach der Preisbildung festgelegt.

Durch diese Vergabepraxis von Aufträgen übernehmen die ausführenden Betriebe die Planung der Architekten und Ingenieure, und der Auftraggeber spart an den Planungskosten, da für planerische Aufgaben die Abrechnung über die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) erfolgen muss. Alle Risiken und Preiserhöhungen durch unbekannte Details gehen zu Lasten des Auftragsnehmers.

Unterkonstruktion

Mit der Unterkonstruktion wird eine dauerhafte Verbindung zwischen Bekleidung und der Tragkonstruktion hergestellt. Unterkonstruktionen können bei VHF-Fassaden aus Aluminium oder Holz hergestellt werden. Die Abmessungen und Abstände einer Unterkonstruktion müssen nach statischen Gesichtspunkten gewählt und dimensioniert werden. Bei der Planung sollte ein späterer Anbau von Sonnenschutzvorrichtungen oder Vordächern berücksichtigt werden.

Bei Holz müssen die Unterkonstruktionen mindestens die Qualitätsanforderungen der Sortierklasse S10 nach DIN 4074-1 erfüllen, bei der Verwendung von Kanthölzern die der Sortierklasse S7. Es darf nur kammergetrocknetes Holz mit einer Holzfeuchte < 20% eingebaut werden. Die Angaben aus den Montageanleitungen der Hersteller sind vorrangig zu beachten!

Bei Aluminium sollten nur geeignete Systeme eingesetzt werden, da eine abZ (allgemeine bauaufsichtliche Zulassung) erforderlich ist. Die meisten Systeme sind dreidimensional verstellbar und so können einfach und schnell Unebenheiten und Versprünge in der Wand bei Altbauten ausgeglichen werden. Eine Einbindung der Aluminiumkonstruktion in ein Blitzschutzkonzept ist möglich.

Unterkonstruktion aus Holz

Bei der Verwendung von Holz als Unterkonstruktion besteht der normale Aufbau eine VHF-Fassade aus Grundlattung und Traglattung. Die Grundlattung muss mit entsprechenden Verankerungsmittel an der Rohbauwand befestigt werden. Der Abstand der Grundlattung richtet sich nach den aufzunehmenden Lasten und sollte 830 mm nicht überschreiten. Als geeigneter Abstand wird in den Fachregeln 01 BDZ, bei der Traglattung 40 x Dicke der Bekleidungsbretter, jedoch maximal 1 m vorgeschlagen (18 mm Stärke −> 40 x18 = 720 mm). In der Praxis haben sich bei 18 mm Brettdicke jedoch geringere Abstände der Traglattung bewährt, um einen möglichen Verzug der Bekleidungsbretter zu minimieren. Auch sollte der Abstand der Unterkonstruktion an das verwendete Dämmmaterial angepasst werden.

Die Verwendung von Holz-Unterkonstruktionen ist für Gebäude geringer Höhe der Gebäudeklassen 1-3 in der Brandschutzausführung B 2 zulässig. Je nach Bundesland gibt es zusätzliche Anforderungen, die den entsprechenden LBO zu entnehmen sind. Bei geschlossenen Bekleidungen ist die Gebrauchsklasse GK 0 nach der DIN 68800 und die Nutzungsklasse NKL 2 nach EC-5 einzuhalten.

Bei Fassaden mit offenen Fugen z. B. Rhombusleisten, ist die Traglattung der GK 3.1 zugeordnet und es muss eine Holzart mit ausreichender Dauerhaftigkeit gewählt werden (Lärche / Douglasie in S10).

Bei der Verwendung von Fichte / Tanne Unterkonstruktionen bei offenen Bekleidungen, müssen geeignete Schutzmaßnahmen wie z. Bsp. Abdeckung mit überstehendem EPDM Band ergriffen werden.

Hinweis zur ATV DIN 18351 Unterkonstruktion und Verankerung

Unterkonstruktionen sind flucht- und lotrecht, den Formaten der Bekleidungselemente angepasst, zu montieren. Unterkonstruktionen sind so auszuführen, dass der Abstand der Rückseite der Bekleidungselemente zur vorhandenen Oberfläche des Verankerungsgrundes in der Regel mindestens 20 mm größer ist als die Dicke der Dämmstoffschicht.

Es ist zu beachten, dass nach DIN 68800 Teil 2, „Latten hinter Vorhangfassen” der Gebrauchsklasse GK 0 zugeordnet werden (Holzfeuchte < 20%) und damit keine chemischen Holzschutzmaßnahmen notwendig sind.

Bei der Montage und Ausrichtung der Unterkonstruktion muss auf die Verlegerichtung der Bekleidung geachtet und ein entsprechender Hinterlüftungsabstand von 20 mm eingebaut werden.

Alle Verbindungsmittel bei der Unterkonstruktion aus Holz, müssen entweder eine allgemein bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder eine Europäisch Technische Zulassung (ETA) haben. Die Verbindungsmittel müssen einer dauerhaften Zugbelastung standhalten. Drahtstifte sind dafür nicht geeignet.

Unterkonstruktion aus Aluminium

Fassaden mit großformatigen Platten aus HPL oder Faserzementplatten werden häufig auf Unterkonstruktionen aus Aluminium montiert. Auch bei Holzfassaden können sehr gut Alu-Unterkonstruktionen eingeplant werden, da die Verstellbarkeit und Überbrückung von größeren Abständen von großem Vorteil sind.

Wenn eine zusätzliche Wärmedämmung bei Altbausanierungen erforderlich ist, können große Bautiefen von bis zu 600 mm ermöglicht werden. Aluminium-Unterkonstruktionen erfüllen alle Vorschriften der LBO für nicht brennbare Fassadenkonstruktionen.

Bei der Planung sind in Längsrichtung der Alu-Unterkonstruktion entsprechende Abstände einzuplanen, da sich bei Wärme das Aluminium ausdehnt. Je nach Material für die Bekleidung der Fassade, z. B. Holz / HPL-Platten oder Faserzementplatte, sollte die Fuge ausgebildet werden.

Es können auch Kombinationen von Aluminium-Konsolen mit Haltern für Holzunterkonstruktionen eingesetzt werden. Gerade bei großen Abständen der Bekleidung zur Hauswand, können mit dieser Kombination Abstände bis zu 320 mm zur Hauswand überbrückt werden.

Bei Fassadenbekleidungen, die in der Gebäudeklasse 4 bzw. ab einer Höhe von 7 m verwendet werden, muss die Unterkonstruktion mindestens der Brandstoffklasse B1 entsprechen. Dann müsste die komplette Unterkonstruktion aus Aluminium sein. Alternativ ist der Einsatz von behandelten Hölzern mit zugelassenen Anstrichsystemen für B1 nach DIN 4102 zu prüfen.

Bei Plattenmaterialien wie HPL-Platten oder Faserzementplatten werden diese Systeme fast ausschließlich verwendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Fassade.

 

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