Fassade: Baurechtliche Aspekte bei vorgehängten Fassaden

24 Jul: Fassade: Baurechtliche Aspekte bei vorgehängten Fassaden

Landesbauordnungen und entsprechende Vorgaben

Bei Fassaden aus Holz und modifizierten Materialien sowie Holzwerkstoffen müssen die Vorgaben der (LBO) Landesbauordnungen und der (MBO) Musterbauordnung beachtet werden. Dabei sollten die Vorgaben für den Brand-, Wärmeund Schallschutz komplett umgesetzt werden. Weiterhin müssen bei Fassaden die Eigenlasten und Windlasten schon bei der Tragwerksplanung berücksichtigt werden. Bei Sanierungen und Modernisierungsmaßnahmen müssen die Vorgaben der Landesbauordnungen ebenso beachtet werden und es ist gegebenenfalls eine Prüfung der Unterkonstruktion hinsichtlich der statischen Tragfähigkeit durch die zusätzlichen Eigenlasten der neuen Bekleidung erforderlich.

Es kann bei einer mehrgeschossigen Bauweise sowie bei Unterschreitung der Mindestabstände zur Grundstücksgrenze erforderlich sein, dass eine Baugenehmigung beantragt werden oder auch eine Abstimmung mit der zuständigen Bauaufsichtsbehörde erfolgen muss. Bei der Planung und Ausführung von Fassadenbekleidungen müssen immer die Vorgaben der (MBO) Musterbauordnung zu den Gebäudeklassen beachtet werden.

Bei allen Fassaden, die mit modifizierten Materialien wie zum z. B. Thermoholz TMT, chemisch modifizierten Materialien CMT und bei naturfaserverstärkten Verbundstoffen NFC / WPC erstellt werden, dürfen nur Unterkonstruktionen aus diesen Materialien verwendet werden, wenn für die Produkte eine allgemein bauaufsichtliche Zulassung abZ oder eine europäisch technische Zulassung ETA vorliegt. Halten Sie im Bedarfsfall Rücksprache mit dem Hersteller und beachten Sie die entsprechenden Vorgaben.

CE-Kennzeichnung / Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung und was zu beachten ist

Bei der Auswahl der Produkte für die Fassadenverkleidung sollte darauf geachtet werden, dass sämtliche Bauprodukte, die dauerhaft fest mit dem Bauwerk verbunden werden und für die es eine europäische harmonisierte Norm gibt, eine CE-Kennzeichnung haben.

Das bedeutet zum Beispiel auch, dass bei Glattkantbrettern 18 x 140 die unterschiedlichen Verwendungsbereiche beachtet werden müssen und für die Verwendung als Fassadenbrett eine CE-Kennzeichnung mit entsprechen der Deklaration der Hersteller vorliegen muss. Für andere Verwendungszwecke ist das nicht unbedingt erforderlich. Die CE-Kennzeichnung muss entweder am Produkt, auf dem Etikett oder dem Packzettel oder auf den Begleitpapieren erfolgen und die wesentlichen Angaben zu dem Produkt enthalten.

Wenn für Produkte keine europäischen harmonisierten Normen vorhanden sind, sollte geprüft werden, ob eine allgemein bauaufsichtliche Zulassung abZ oder eine europäisch technische Zulassung ETA für die Verwendung erforderlich ist.

Baurecht und Werksverträge

Wenn die Erbringung einer Bauleistung Gegenstand eines Vertrags ist, wird der Vertrag immer nach dem Werksvertragsrecht laut BGB beurteilt (Werkvertragsrecht ist kein spezifisches Baurecht). Mit dem Abschluss eines Bauvertrages gilt nicht automatisch die VOB, sondern sie muss ausdrücklich vereinbart werden. Bei Privatleuten wird der Bauvertrag erst dann gültig, wenn der entsprechende Text der VOB übergeben wurde.

Um im Vorfeld die Probleme mit evtl. auftretenden Mängeln und Differenzen zu klären, sollten alle Aufträge und spätere Änderungen immer schriftlich vom Auftragnehmer dem Auftraggeber bestätigt werden und bei Abweichungen zu den Regelwerken und Kundenwünschen sollten die Abweichung und die daraus entstehenden Folgen schriftlich erklärt und dokumentiert werden. Eine entsprechende Haftungsfreistellung bei Abweichungen zu den Regelwerken muss detaillierte Hinweise zu den möglichen Folgen und erforderliche Maßnahmen sowie Pflichten der Eigentümer und Mieter enthalten.

Der Auftragnehmer schuldet dem Auftraggeber nach der VOB/B eine Leistung mit der „vereinbarten Beschaffenheit “. Wichtig ist hierbei über die zu erwartenden und zu liefernden Qualitäten ausreichend gesprochen zu haben und auch die zu erbringenden Leistungen sollten aufgelistet und abgeklärt werden.

Planungen und Leistungsverzeichnis

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern wird sehr häufig aus Kostengründen auf den Architekten verzichtet. Der Architekt wird oft nur noch mit der Erstellung der Bauantragsunterlagen beauftragt.

Wird kein Fachplaner beauftragt, erfolgt die Fachplanung durch den Ausführenden. Viele Handwerker übernehmen diese Aufgabe stillschweigend. Auch wenn ein Fachplaner (Architekt) beauftragt worden ist, hat ein Fachbetrieb eine kontrollierende Funktion und muss bei Planungsfehlern mit einer gewissen Mithaftung rechnen, wenn genau nachdiesem fehlerhaften Leistungsverzeichnis das Objekt ausgeführt wurde und Mängel vorhanden sind.

Wenn Fehler in der Planung und bei der Ausführung von der Fachfirma erkannt werden, ist der Betrieb hinweispflichtig (schriftliche Bedenkenanmeldung). Es gilt generell die Hinweis- und Warnpflicht, auch bei fehlerhaften Ausschreibungen hat der Handwerker dafür Sorge zu tragen, dass das Gewerk nach dem neusten Stand der Technik ausgeführt wird. Wenn zum Zeitpunkt der Ausführung Änderungen in den Regelwerken vorgenommen worden sind, müssen die Änderungen auch bei bestehenden Planungen berücksichtigt werden. Die DIN 68800, Teil 1 und 2 ist als Technische Baubestimmung bauaufsichtlich eingeführt. Die Einhaltung ist bei tragenden Bauwerken auch ohne vertragliche Vereinbarung verpflichtend. Bei nicht tragenden Bauwerken gilt die Einhaltung als Empfehlung.

Wenn der Handel unmittelbar um Rat gefragt wird, sowohl vom Handwerker aber ganz besonders von den Bauherren, dann sollte eine fachliche Beratung erfolgen und die Vorschriften der Normen und der Stand der Technik berücksichtigt werden. Bei direkten Bestellungen von Handwerkern und Architekten kann die Ware geliefert werden ohne die Bestellung in Frage zu stellen. Wichtigster Grundsatz bei der Beratung und Planung sollte die Vermeidung von Bauschäden sein.

Statische Belastungen / Windlasten

In abhängig vom verwendeten Material, ist für hinterlüftete Fassaden vom Fachplaner eine prüffähige Statik zu erstellen. Somit ist es wichtig, die Eigenlasten der Fassadenbekleidung und die Windlasten sowie die Gebäudehöhe und Geländehöhe zu berücksichtigen. (Windlastzonen / www.dibt.de ).

Besonders muss dabei die Verankerung und Ausführung der Unterkonstruktion beachtet werden. Bei allen Produkten, die unter die Norm 18516 fallen, muss der statische Nachweis erbracht werden. Bei kleinformatigen Bekleidungen (Fläche < 0,4 m² und Gewicht ≤ 5 kg) oder brettformatigen Elementen (Breite ≤ 30 cm und Abstand der Unterkonstruktion ≤ 80cm), dürfen die Fachregeln 01 BDZ bis zu einer Gebäudehöhe von 10 m angewendet werden.

Bei den statischen Anforderungen sollten auch die Kundenwünsche bezüglich der späteren Anbauten von Markisen oder Vordächern berücksichtigt und eingeplant werden. Entsprechende Hinweise für die spätere Nutzung sind dem Bauherren zu übergeben.

Schallschutz

Der gesamte Fassadenaufbau hat zusammen mit der Dämmung der Außenwand einen wichtigen Anteil am Schallschutz bei Gebäuden. In der DIN 4109 sind die entsprechenden Vorgaben aufgelistet. Je nach gewählter Bekleidungsart (offen oder geschlossen) und Material ergeben ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an den Schallschutz. Die Ausführung von Bauanschlussfugen sowie der Einbau und die Größe von Fenstern haben direkten Einfluss auf die Schallschutzwerte und sollte bei der Planung berücksichtigt werden.

Barrierefreies Bauen

Durch die Vorgaben der DIN 18040 für barrierefreies Bauen müssen bei Altenheimen, Geschäften und Hotel- und Gastronomiebetrieben im Eingangsbereich die Höhenunterschiede durch entsprechende Rampen überwunden werden. Bei Dachterrassen und Balkonen wird meistens von den Eigentümern auch eine niedrige / barrierefreie Ausführung der Terrassenbeläge gewünscht. Wenn gleichzeitig dann eine vorgehängte hinterlüftete Fassade montiert wird, muss ein ausreichender Spritzwasserabstand und Abdichtung sichergestellt werden.

Die Terrasse wurde barrierefrei und ohne ausreichenden Abstand zur Fassade ausgeführt.

Bei der Ausführung von barrierefreien Terrassen sowie Rampen und Podesten dürfen die Vorgaben anderer Regelwerke wie „Fachregeln 01 BDZ“ und der DIN 18195 nicht verletzt werden. Eine optimale Abstimmung der unterschiedlichen Gewerke muss dann unbedingt erfolgen.

Die Rampe wurde direkt an die Fassade angebaut.

Blitzschutz

Mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden kann ein kostengünstiges Gebäude-Blitzschutzkonzept realisiert werden. Die Vorgaben der DIN EN 62305 müssen dabei beachtet werden. Durch die Verwendung von elektrisch leitenden Unterkonstruktionen aus Aluminium oder Stahl können die Anforderungen des Blitzschutzes bei einer geeigneten Ausführung auch bei Holzbekleidungen erreicht werden. Schon bei der Planung sollte mit dem Bauherren über die Möglichkeit eines Blitzschutzes gesprochen werden. Bei der Umsetzung müssen die ausführenden Firmen optimal zusammenarbeiten.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Fassade.

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