Balkon- und Terrassenbeläge: Baurechtliche Aspekte bei Terrassen und Balkonen – Teil 2

18 Jul: Balkon- und Terrassenbeläge: Baurechtliche Aspekte bei Terrassen und Balkonen – Teil 2

Barrierefreies Bauen

Die Anforderungen der DIN 18040 für barrierefreies Bauen stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen und sowohl die Planung als auch die Ausführung aller Gewerke muss optimal aufeinander abgestimmt werden. In den Landesbauordnungen (LBO) der einzelnen Bundesländer wird zum Beispiel im § 49 BauONRW das barrierefreie Bauen aufgeführt. Je nach Bundesland können die Anforderungen sehr unterschiedlich sein. Oftmals muss schon in Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen mindestens ein Geschoss barrierefrei erreichbar sein.

Je nach LBO sind die Anforderungen zum „Grad der Barrierefreiheit“ sehr unterschiedlich und es wird dabei zwischen „Barrierefreiheit“ und „Rollstuhlzugänglichkeit“ differenziert. Einige Bauordnungen legen Mindeststandards für öffentlich zugängliche Gebäude (wie zum Beispiel Gefälle bei Rampen) fest.

Auch die Musterbauordnung (MBO) legt Mindestanforderungen im § 50 Abs. 3 fest. Die Barrierefreiheit wird dabei für alle internen Wohn- und Schlafräume sowie Bad und Toilette gefordert. Grundsätzlich wird aber keine Forderung einer barrierefreien Nutzung von Freisitzen (Balkone und Terrassen) gefordert.

Dies scheint dem Umstand geschuldet zu sein, dass die Ausbildung eines schwellenlosen Übergangs zum Balkon oder Terrasse technisch sehr kompliziert und zudem aufwendig ist und Gewährleistungsprobleme aufwerfen kann. Türen bei Balkonen und Terrassen stellen einen Sonderfall dar und werden den „Fenstertüren“ zugeordnet. Die Norm schreibt daher folgendes vor: „Türen müssen deutlich wahrnehmbar, leicht zu öffnen und zu schließen und sicher zu passieren sein. Untere Türanschläge und Schwellen sind nicht zulässig. Sind sie technisch unabdingbar, dürfen sie nicht höher als 2 cm sein.“

Bei der Planung und Ausführung müssen genaue Absprachen zwischen dem Auftraggeber, Architekten und allen beteiligten Handwerkern erfolgen, da für die Abdichtung an Türen / Fenstertüren und Wänden Sonderlösungen gefunden werden müssen.

Nach der DIN 18195 darf bei Türen die Anschlusshöhe maximal auf 5 cm reduziert werden, wenn zu jeder Zeit ein einwandfreier Wasserablauf sichergestellt ist und die Spritzwasserbelastung minimiert wird. Dazu muss eine Entwässerungsrinne eingebaut und an die Entwässerung
angeschlossen werden.

Bei Altenheimen, Geschäften und Hotel- und Gastronomiebetrieben können oftmals im Eingangsbereich oder auch bei Gartenterrassen die Höhenunterschiede nur durch entsprechende Rampen überwunden werden. Für die Ausführung dieser Rampen müssen in Deutschland die Vorgaben der DIN 18040 und der Landesbauordnung beachtet werden.

Bei der Ausführung von Rampen und Podesten dürfen die Vorgaben anderer Regelwerke wie „Fachregeln 01 BDZ“ und der DIN 18195 nicht verletzt werden. Zusätzlich sind Radabweiser an Rampen, Stegen und Podesten erforderlich. Diese Radabweiser sollen sicherstellen, dass Personen die ihren Rollator oder Rollstuhl nicht mehr kontrollieren können, nicht stürzen oder abstürzen können.

Windlasten

Zusätzlich sollten bei der Planung von Dachterrassen bei höheren Gebäuden die zusätzlichen Windlasten bei der Konstruktion mit dem Statiker und dem Bauherrn abgestimmt werden.

Dazu muss auch geprüft werden, ob entsprechende Zubehörprodukte wie z. B. verstellbare Drehfüße eine abZ oder ETA benötigen und ob eine zusätzliche Befestigung am Gebäude erforderlich ist. Bei der Ausführung entsprechender Dachterrassen sind die Vorgaben der Planung einzuhalten.

Wissenswertes zur Materialauswahl

Für die Verwendung von Holz in den tragenden Bereichen bei Terrassen und Balkonen sind nur festigkeitssortierte Nadelhölzer nach DIN 20000-5 und nach DIN 1995-1-1 sowie festigkeitssortierte Laubhölzer zugelassen. Zurzeit dürfen nach der gegenwärtigen baurechtlichen Situation nur folgende Holzarten in der entsprechenden Sortierung verwendet werden:

Nadelhölzer:
Fichte / Kiefer / Douglasie / Lärche / Tanne

Laubhölzer:
Buche / Eiche / Afzelia / Angelique / Azobé (Bongossi) / Ipé / Keruing / Merbau / Teak

Die Mindestanforderung für die Verwendung bei tragenden Konstruktionen ist bei Nadelholz S10 nach DIN 4074-1 und bei Laubholz LS10 nach DIN 4074-5 bzw. C24 / D30. Alle anderen Holzarten sowie NFC/WPC Produkte und modifizierte Materialen benötigen entweder eine allgemein bauaufsichtliche Zulassaung abZ oder eine europäisch technische Zulassung ETA.

Bei den Verbindungsmitteln wie z. B. Schrauben und Befestigungssystemen muss ebenfalls für die Verwendung dieser Produkte in den bauaufsichtlich tragenden Bereichen eine allgemein bauaufsichtliche Zulassung abZ oder eine europäisch technische Zulassung ETA vorliegen. Bei Schrauben sollte auch auf die Zulassung für Nadelhölzer als auch für Laubhölzer beachtet werden.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Holz Balkon- und Terrassenbeläge.

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