Balkon- und Terrassenbeläge: Baurechtliche Aspekte bei Balkonen und Terrassen

18 Jul: Balkon- und Terrassenbeläge: Baurechtliche Aspekte bei Balkonen und Terrassen

Landesbauordnungen und die entsprechenden Vorgaben

Nach den Landesbauordnungen sind Balkone genehmigungspflichtige Anlagen, die laut den aktuellen Normen und Baubestimmungen zu konstruieren und auszuführen sind. Balkone aus Holz sollten nur in den Gebäudeklassen 1 und 2 erstellt werden und die Vorgaben der Musterbauordnung (MBO) und der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) sind zu beachten.

Bei ebenerdigen Terrassen ist keine Genehmigung des Bauvorhabens erforderlich, es müssen jedoch die Vorgaben zur Abstandsflächenberechnung und die nachbarrechtlichen Regelungen der einzelnen Länder beachtet werden.

Sowohl die Ausführung als auch die Dimensionierung der Unterkonstruktion und der Terrassendielen müssen auch bei ebenerdigen Terrassen so gewählt werden, dass es zu keinem Verletzungsrisiko bei Versagen der Bauteile kommen kann.

Ab einer Höhe von ca. 60 cm über dem Niveau des anstehenden Geländes bzw. generell über Wasserflächen bei Boots- oder Badestegen gelten Terrassen als aufgeständert und müssen als tragende Konstruktionen geplant und ausgeführt werden. Die gewählten Dimensionen der Bauteile müssen statischen Erfordernissen genügen und je nach Bundesland ist auch ein Geländer erforderlich.

Die Höhe für das Geländer ist in den jeweiligen Landesbauordnungen festgelegt und beträgt mindestens 90 cm von Oberkante Belag bis zur Geländeroberkante. Ein Geländer ist je nach Bundesland schon ab einer Höhe der Terrasse von 50 cm erforderlich. Der Zwischenabstand der Geländerstäbe und -bretter ist nach den Vorgaben der Landesbauordnungen einzuhalten. Abstände und Öffnungen sollten 120 mm nicht überschreiten. Bei Schwimmteichen und Stegen ist zu prüfen, ob Umwehrungen erforderlich sind.

Bei allen Konstruktionen mit modifizierten Materialien wie zum Beispiel Thermoholz TMT, chemisch modifizierten Materialien CMT und bei naturfaserverstärkten Verbundstoffen NFC / WPC dürfen nur aufgeständerte Konstruktionen erstellt werden, wenn für die Produkte eine allgemein bauaufsichtliche Zulassung abZ oder eine europäisch technische Zulassung ETA vorliegt. Dieses gilt auch bei Belägen für Balkone, die eine tragende Funktion haben. Halten Sie im Bedarfsfall Rücksprache mit dem Hersteller und beachten Sie die entsprechenden Vorgaben.

Baurecht und Werksverträge

Wenn die Erbringung einer Bauleistung Gegenstand eines Vertrags ist, wird der Vertrag immer nach dem Werksvertragsrecht laut BGB beurteilt (Werksvertragsrecht ist kein spezifisches Baurecht).

Mit dem Abschluss eines Bauvertrages gilt nicht automatisch die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), sondern sie muss ausdrücklich vereinbart werden. Bei Privatleuten wird der Bauvertrag erst dann gültig, wenn der entsprechende Text der VOB übergeben wurde.

Um im Vorfeld die Probleme mit evtl. auftretenden Mängeln und Differenzen zu klären, sollten alle Aufträge und spätere Änderungen immer schriftlich vom Auftragnehmer dem Auftraggeber bestätigt werden. Bei Abweichungen zu den Regelwerken und Kundenwünschen sollte die Abweichung und die daraus entstehenden Folgen schriftlich erklärt und dokumentiert werden.

Der Auftragnehmer schuldet dem Auftraggeber nach der VOB/B eine Leistung mit der „vereinbarten Beschaffenheit“. Wichtig ist, hierbei über die zu erwartenden und zu liefernden Qualitäten ausreichend gesprochen zu haben und auch die zu erbringenden Leistungen sollten aufgelistet und abgeklärt werden.

Planungen und Leistungsverzeichnisse

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern wird sehr häufig aus Kostengründen auf den Architekten verzichtet. Der Architekt wird oft nur noch mit der Erstellung der Bauantragsunterlagen beauftragt.

Wird kein Fachplaner beauftragt, erfolgt die Fachplanung durch den Ausführenden. Viele Handwerker übernehmen diese Aufgabe stillschweigend. Auch wenn ein Fachplaner (Architekt) beauftragt worden ist, hat ein Fachbetrieb eine kontrollierende Funktion und muss bei Planungsfehlern mit einer gewissen Mithaftung rechnen, wenn genau nach diesem fehlerhaften Leistungsverzeichnis das Objekt ausgeführt wurde und Mängel vorhanden sind.

Wenn Fehler in der Planung und bei der Ausführung von der Fachfirma erkannt werden, ist der Betrieb hinweispflichtig (schriftliche Bedenkenanmeldung). Es gilt generell die Hinweis- und Warnpflicht, auch bei fehlerhaften Ausschreibungen hat der Handwerker dafür Sorge zu tragen, dass das Gewerk nach dem neuesten Stand der Technik ausgeführt wird. Wenn zum Zeitpunkt der Ausführung Änderungen in den Regelwerken vorgenommen worden sind, müssen die Änderungen auch bei bestehenden Planungen berücksichtigt werden.

Die DIN 68800, Teil 1 und 2 ist als Technische Baubestimmung bauaufsichtlich eingeführt. Die Einhaltung ist bei tragenden Bauwerken auch ohne vertragliche Vereinbarung verpflichtend. Bei nicht tragendem Bauwerken gilt die Einhaltung als Empfehlung.

Wenn der Handel unmittelbar um Rat gefragt wird, sowohl vom Handwerker aber ganz besonders vom Bauherren, dann sollte eine fachliche Beratung erfolgen und die Vorschriften der Normen und der Stand der Technik berücksichtigt werden. Bei direkten Bestellungen von Handwerkern und Architekten kann die Ware so geliefert werden, ohne dass die Bestellung in Frage gestellt werden muss.

Wichtigster Grundsatz bei der Beratung und Planung sollte die Vermeidung von Bauschäden sein.

Brandschutzanforderungen

Für Terrassen aus Holz und modifizierten Materialien gibt es keine baurechtlichen Brandschutzanforderungen. Beläge aus Vollholz sind in die Baustoffklasse B2 „normal entflammbar“ eingestuft. Für die tragenden und nicht tragenden Bauteile von Balkonen bestehen nach der Musterbauordnung keine besonderen Vorschriften bzgl. der Anforderungen an das Brandverhalten.

Für Terrassen und Balkone, die Bestandteil eines zweiten Rettungsweges sind, gelten die allgemeinen Anforderungen an das Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen im Zuge von Rettungswegen nach den Landesbauordnungen.

Bei Dachterrassen sind die Anforderungen für den Brandschutz je nach Gebäudegröße und Nutzung sehr unterschiedlich. Die entsprechende Gebäudeklasse ist in der MBO – Musterbauordnung – festgelegt und von der Höhe der Fußbodenoberkante des höchstgelegenen Geschosses abhängig. Die DIN 4102 und DIN EN 13501-1 sowie die Anforderungen der Bauordnungen sind zusammen
einzuhalten.

In einigen Bundesländern wurden die Landesbauordnungen überarbeitet und die Verwendung von Holzprodukten bei Gebäuden bis 22 m Gebäudehöhe erlaubt. Dabei sollte immer beachtet werden, dass auch Terrassen aus Holz oder NFC / WPC weiterhin die Brandschutzanforderungen besonders bei Dachterrassen erfüllen müssen. Die Forderung einer höheren Brandschutzklasse als B2 kann z. B. durch eine Ausführung als harte Bedachung unterhalb der Beläge erreicht werden. Entsprechende Produkte sind für die Gebäudeabdichtung erhältlich und sollten mit dem Bauherrn und Dachdecker sowie dem Brandschutzexperten abgestimmt werden. Eine harte Bedachung kann auch mit vollständig bedeckter 5 cm Kiesschüttung 16/32 und aus mind. 4 cm starken Betonwerksteinplatten als Auflagepunkte für die Unterkonstruktion erstellt werden. Die zusätzlichen statischen Belastungen durch z. B. Kies und Betonplatten müssen bei der Gebäudestatik berücksichtigt werden.

Weitere Infos finden Sie im PraxisWissen Holz Balkon- und Terrassenbeläge.

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